Der FÖLOK Iserlohn arbeitete im vergangenen Jahr neben seiner KulturZeit an einem weiteren Radioprojekt. Mit „Homeland Germany – Heimat Iserlohn“ wurde eine von der Bezirksregierung Arnsberg geförderte Sendereihe ins Leben gerufen, die Mitwirkenden und Zuhörer*innen einen wertschätzenden Anstoß für die Frage nach der lokalen Identität und Teilhabe aller im Kontext des Heimatbegriffs bietet. In insgesamt sechs Ausgaben beschäftigten sich Iserlohner*innen in vielfältiger Weise mit dem Thema, die bei NRWision zum Nachhören bereitstehen:


Homeland Deutschland–Heimat Iserlohn

Die Redaktionsgemeinschaft des Bürgerradios Iserlohn startet eine Serie zum Thema „Heimat“. Aus der Sicht von Bürgern*innen, die sich in einem Heimatverein engagieren, macht diese Sendung den Einstieg zum komplexen Thema Heimat. Der Dichter des Westfalenliedes Emil Rittershaus ist eng mit unserer Heimat verbunden. Auf dem Bertingloh im Menden steht ein Denkmal von ihm, das vom Heimatverein Ostsümmern gepflegt wird. Mitglieder des Heimatvereins informieren über diesen Dichter und Kaufmann und seine Beziehung zum heimischen Raum. Anschließend wird in einer Gesprächsrunde über die Bedeutung von Heimat und die unterschiedlichen Aspekte dieses Begriffes diskutiert. Außerdem erfahren die Zuhörer*innen welche Aufgaben der Heimatverein Ostsümmern wahrnimmt, und wie er sich für die Bürger*innen vor Ort einsetzt.


 Iserlohn, wie es war… und wie es ist. Gespräch mit dem Iserlohner Wilfried Diener

In unserer Sendereihe „Homeland Deutschland – Heimat Iserlohn“ spicht Ellen Gradtke mit dem Iserlohner Schriftsteller und Heimatpfleger Wilfried Diener, der sich ausführlich mit der Veränderung der Stadt in Bildern zwischen 1950 und 2018 beschäftigt hat. Im Gespräch geht es vor allem um bauliche Veränderungen in der Stadt Iserlohn, so z. B. den Schillerplatz, die sanierte Altstadt, die Bahnhöfe und den Seilersee. Musikalisch begleitet mit dem „Iserlohn-Lied“, Charly Dreesmann, Iserlohn Brassband unter der Leitung von Stefan Beumers, Orgelmusik aus der Obersten Stadtkirche vom Kirchenmusikdirektor Hanns-Peter Springer sowie die Iserlohner Band Luxuslärm und vieles mehr…


Was ist eigentlich Heimat? Erfahrungen von Migrant*innen

In unserer Sendereihe „Homeland Deutschland – Heimat Iserlohn“ unterhält sich Ellen Gradtke mit Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, inzwischen aber mehr oder weniger lange hier leben und ihre Geschichte erzählen. Was eigentlich macht „Heimat“ aus? Wie kann man eine neue Heimat in einem Land wie Deutschland finden, wann ist man wirklich angekommen und wie ist das mit dem Heimweh nach der alten Heimat? Diese und viele weitere Fragen beantworten Interview-Gäste aus verschiedenen Ländern. Sie haben sich die Musiktitel selbst ausgesucht.


Homeland Deutschland – Heimat Iserlohn

Imran Topouz Ismael Oglou (Deutsch-Grieche), Josey Jarmeyne Sahin (Deutsch-Türkin) und Fatima Zahra Tahrioui (Marokkokanerin/Spanierin) leben in Iserlohn. Wie erleben sie Deutschland, wie Iserlohn und was ist Heimat und was ihr Zuhause? In Hagen, Iserlohn und Marokko geboren, ausgewandert, wieder zurückgekommen oder auch geblieben. Heimat hat so viele Gesichter. Heimat enthält so viele Emotionen. Der Weg dorthin verändert sich im Laufe des Lebens. Wie wird man von der Gesellschaft aufgenommen? Kopftuch tragend? Integration gelungen? Wie geht Sprache lernen? Diskriminierung erlebt? Was und wo ist Heimat, das Zuhause?


Erinnerungsspaziergang mit meiner Nachbarin Karin Mies

Am Ende des Zweiten Weltkrieges eroberten vom 16. bis 18. April 1945 sowjetische Truppen Forst in der Lausitz/Mark Brandenburg. Danach lagen 85 Prozent der Stadt in Trümmern. Die Stadt Forst wurde geteilt, die Gebiete östlich der Neiße (Stadtteil Berge) unter polnische Verwaltung gestellt, die Einwohner vertrieben. Karin Mies erinnert sich an die Fluchterlebnisse mit den Großeltern und Bruder Joachim, an einen Aufenthalt in Drakenburg/Weser, Wilhelmshafen 1947 und die Ankunft in Iserlohn 1949. Erinnert sich an ihr bisheriges Leben hier in Iserlohn. Jugend, Ausbildung, Heirat, Kinder, Umzüge. Immer mit dem Blick auf „Was ist Heimat? Wo ist Heimat? Was ist ein Zuhause?“


Mustapha aus dem Iran und Stefan aus dem Nordirak

Mustapha, 1982 im Iran geboren, konvertierte zum christlichen Glauben und wurde von dem Moment an im muslimisch geprägten Iran verfolgt, floh mit seiner Frau nach Italien, dann nach Deutschland. Sie strandeten zunächst in Braunschweig. Von dort ging’s nach Bielefeld und dann nach Iserlohn. Das Ehepaar wollte in Deutschland bleiben. Sie bekamen Hilfe und verbrachten sechs Monate im Kirchenasyl in einem Kloster. Inzwischen hat Mustapha eine Festanstellung als IT-Netzwerk-Fachmann in einem Iserlohner Unternehmen. Seine Frau betreut derzeit das gemeinsame, in Iserlohn geborene Kind und möchte im nächsten Jahr eine Ausbildung beginnen. Die kleine Familie ist gut in Iserlohn angekommen.

Stefan ist im Nord-Irak mit Eltern, Schwester und großer Familie aufgewachsen. Der Vater war politisch sehr aktiv und zwang Stefan zum Wehrdienst bei den Peschmerga. Er hatte eine schwere Kindheit, musste arbeiten und die Familie unterstützen. Der Verdienst der Schwester unterstützte die Mutter. Stefan flüchtete in die Türkei. Von dort mit einem Flüchtlingsboot – mit weiteren 200 Flüchtlingen – über das Meer nach Griechenland und 2015 nach Schweden. Er lernte dort die Sprache, konnte auch arabisch, arbeitete in einem fremden Land und wurde langsam heimisch. Nach 3 Jahren drohte ihm die Ausweisung zurück in den Nordirak, sein Heimatland. Da er zum christlichen Glauben konvertiert war, hatte sich seine Familie von ihm abgewendet. Ein Muslim konvertiert nicht zum Christentum. Damit hat er sich selbst gefährdet und ist im Nordirak unerwünscht, würde verfolgt. Aus Angst vor einer Abschiebung aus Schweden, blieb die Flucht ohne Papiere nach Deutschland. Verschiedene Wege führten Stefan nach Iserlohn und er fand seine religiöse Heimat in der Erlöser-Kirchengemeinde, wo er ein 14-monatiges Kirchenasyl angefangen hat und anschließend wieder am gesellschaftlichen Leben aktiv teilnehmen konnte. Zunächst als Mitarbeiter im Krankenhaus, macht er zurzeit eine zweijährige Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner. Er hat sein Zuhause in Iserlohn und hofft auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, da er in seinem Heimatland, Nordirak unerwünscht ist.

(Die Namen wurden auf eigenen Wunsch anonymisiert).